Privatier bis zur Rente: Frei sein vor dem gesetzlichen Rentenalter
Viele Menschen träumen davon, früher aus dem Berufsleben auszusteigen und als Privatier die Zeit bis zur gesetzlichen Rente selbstbestimmt zu gestalten. Doch was bedeutet es konkret, "Privatier bis zur Rente" zu sein? Welche finanziellen, steuerlichen und versicherungsrechtlichen Fragen stellen sich? Und wie gelingt die Überbrückung bis zur regulären Altersrente? Dieser Beitrag liefert Antworten - inklusive eines Beispiels aus der Praxis.
Was bedeutet "Privatier bis zur Rente"?
Ein Privatier lebt von seinem angesparten Vermögen oder anderen Einkünften, ohne einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Wer sich vor dem gesetzlichen Rentenalter (aktuell 67 Jahre) zurückzieht, ist formal gesehen kein Rentner, sondern befindet sich in einer Art Vorruhestand auf eigene Kosten.
Die Zeit bis zur Regelaltersrente muss also überbrückt werden - finanziell wie organisatorisch.
Voraussetzungen und Planung
Ein realistischer Plan für das Leben als Privatier beginnt mit einer umfassenden Finanzplanung. Dazu gehören:
- Vermögensstand: Wie viel Kapital steht zur Verfügung?
- Laufzeit: Wie viele Jahre müssen überbrückt werden?
- Monatlicher Bedarf: Was kostet der Lebensstil netto pro Monat?
- Zusatzkosten: Versicherungen, Steuern, unerwartete Ausgaben
Beispielrechnung:
- Alter beim Ausstieg: 55 Jahre
- Geplante Rente mit 64 (abschlagsbehaftet)
- Überbrückungszeit: 9 Jahre
- Monatlicher Bedarf: 2.500 Euro netto
- Kapitalbedarf: ca. 350.000 bis 400.000 Euro (inkl. Puffer & Steuern), je nach Rendite
Die gesetzliche Rente kann frühestens mit 63 Jahren bezogen werden - allerdings nur mit Abschlägen. Pro Monat vor der Regelaltersgrenze werden 0,3 % Abschlag dauerhaft von der Rente abgezogen.
Beispiel:
- Reguläres Rentenalter: 67
- Gewählter Rentenbeginn: 64
- Abschlag: 36 Monate x 0,3 % = 10,8 % weniger Rente - ein Leben lang
Tipp: Für den Bezug ab 63 Jahren sind mindestens 35 Versicherungsjahre nötig ("Rente für besonders langjährig Versicherte").
Krankenversicherung in der Übergangsphase
Ohne Erwerbseinkommen stellt sich die Frage: Wie bin ich krankenversichert?
- Gesetzlich versichert (GKV): Möglich als freiwilliges Mitglied. Beiträge bemessen sich am Gesamteinkommen (inkl. Kapitalerträge!).
- Privat versichert (PKV): Weiterführung möglich, aber hohe Beiträge im Alter möglich.
Lese-Tipp:
Finanzierung: Einnahmen & Entnahmestrategien
Die wichtigsten Einkommensquellen als Privatier:
- Kapitalerträge aus ETFs, Aktien, Anleihen
- Mieteinnahmen aus Immobilien
- Entnahmen aus Vermögensdepots (z. B. 4%-Regel)
- Private Rentenversicherungen
Strategie-Tipp: Entnahmestrategien richtig planen
Steuerliche Pflichten
Auch als Privatier bist du steuerpflichtig:
- Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer)
- Einkommensteuer bei Mieteinnahmen
- Pflicht zur Steuererklärung bei Überschreiten der Freibeträge
Mehr dazu: Steuern als Privatier
Rentenversicherung: Pflicht oder freiwillig?
Privatiers sind nicht rentenversicherungspflichtig, können aber freiwillig einzahlen, um später Rentenansprüche zu erwerben.
- Vorteil: Sicherung eines Mindestanspruchs
- Flexibel: Beiträge können jährlich bestimmt werden
Psychosoziale Dimension
Ein Leben ohne Arbeit erfordert neue Strukturen:
- Tagesgestaltung: Hobbys, Ehrenamt, Reisen
- Soziale Kontakte: Einsamkeit vermeiden
- Identität: Wer bin ich ohne Beruf?
Impulse: Will ich wirklich Privatier werden oder bin ich nur unglücklich im Job?
Fazit: Gut vorbereitet ist halb gewonnen
Der Weg zum Privatier vor der Rente ist machbar - aber er braucht Planung, Wissen und Disziplin. Wer ehrlich kalkuliert, steuerlich klug handelt und sich auch emotional vorbereitet, kann viele Jahre der Freiheit genießen, bevor der offizielle Ruhestand beginnt.